Ich habe gestern ein Video gesehen, Die Magie des Lebens – Guzzaarish. In diesem Film ging es darum, dass ein Mann, der vom Hals abwärts gelähmt war, einen Antrag vor Gericht stellte, dass er Sterbehilfe erhält.
„Der Antrag ist verfassungwidrig“, wurde im Film gesagt, ein Gericht kann niemanden ermächtigen, seinem Leben aus freien Stücken ein Ende zu setzen. Daher verweigert das Gericht die Unterstützung….“
Die Geschichte hat mich ziemlich aufgewühlt und lange am Einschlafen gehindert. Mir stellte sich die Frage:
Hat einer mit dem Recht auf Leben auch gleichzeitig die PFLICHT zu leben?
Haben wir mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung auch gleichzeitig die Pflicht, unsere Meinung zu äußern? Es ist nur ein anderes Recht, im Prinzip dasselbe, wie das Recht zu leben, das die in der Verfassung festgeschriebenen Menschenrechte uns garantieren.
Ja zum Leben bedeutet aber auch, ja zum Tod zu sagen, denn der Tod ist ein Teil des Lebens. Nur wer sich vor dem Sterben fürchtet, meint, dass jeder andere das auch tun müsste. Aber wer zu einem gesteigerten Bewusstsein gefunden hat, der weiß, dass das Leben in einem Körper auf der Erde nichts weiter als ein Schauspiel auf einer materiellen Bühne ist. Wir bewohnen den Körper auf Zeit. Und wenn das Stück ausgespielt ist, dann kommen wir wieder in einer anderen Umgebung in einem anderen Körper. Wo liegt das Problem, wenn jemand sein Stück beenden will, bevor der Körper den Geist aufgibt? Hat nicht jeder das Recht auf Leben, was doch auch das Recht auf das Ende dieses Lebens ist.
Im Film wurde damit argumentiert, dass Gott wolle, dass der Mensch lebt. Wer will schon behaupten zu wissen, was Gott will, und was er vorhat mit uns? Hat er überhaupt etwas vor? Wenn einer sich quält, dann kann das doch nicht wirklich eines gütigen Gottes Wille sein, oder? Wenn dieser Gott uns wirklich zur Qual verurteilt und uns einfach dabei zusehen sollte, dann wäre das kein gütiger Gott sondern ein Sadist.
In Wahrheit ist es Gott völlig egal, was du machst oder nicht machst. Er hat dich losgelassen, damit du völlig frei deine Erfahrungen machen kannst. Das Leben in einem behinderten Körper setzt den Erfahrungen sicherlich enge Grenzen. Immer die gleichen Erfahrungen zu machen, scheint nutzlos. Nach einer gewissen Zeit reicht es. Aber alle Menschen versuchen, dir zu erzählen, dass du damit fortfahren sollst, und jeder hat sehr eigennützige Gründe dafür. Das ist Schwachsinn. Sie reden aus ihrer Gesundheit und ihrer eigenen Angst heraus und versuchen, dich in ihrem Bewusstsein zu halten. Du hast dasselbe zu glauben wie sie, sonst müssten sie ihren Glauben ja überdenken. Das bringt viel Neues mit sich, was unbequem ist. Also versuchen sie, dich dazu zu bringen, ihren Glauben zu bestätigen.
Das Wort Selbstmord impliziert bereits Unrecht. Auch Selbsttötung hat noch den „Geruch“ von Unrecht… Einer, der beschließt, unter den gegebenen Umständen nicht mehr weitermachen zu wollen, verdient Respekt. Und wenn er seinen Körper nicht mehr bewegen kann, um sich einen Strick um den Hals zu legen, sollte wenigstens das Recht haben, dass jemand ihm diese Hände ersetzt. Das ist meine Meinung.
„Der Antrag ist verfassungwidrig“, wurde im Film gesagt, ein Gericht kann niemanden ermächtigen, seinem Leben aus freien Stücken ein Ende zu setzen. Daher verweigert das Gericht die Unterstützung….“
Aus freien Stücken… das bedeutet, dass jeder ohne gerichtliche Ermächtigung aus freien Stücken seinem Leben ein Ende setzen kann, nur der, der keine Macht mehr über seinen Körper hat, kann das nicht. Und das Gericht ist nicht bereit, die Gesetze außer Kraft zu setzen, die diejenigen bestrafen werden, die dem Sterbewilligen die bewegungslosen Hände ersetzen wollen.
Die Verfassung garantiert jedem das Recht auf Leben.
Doch muss das zwangsläufig auch bedeuten, dass jeder, ob er will oder nicht, die PFLICHT hat, ein als nicht mehr lebenswert empfundenes Leben weiterzuführen und zu leiden bis zur letzten Minute?
Hat der Gesetzgeber oder ein Richter das Recht, jemanden ohne Verschulden zu einem Leben zu verdammen, das derjenige im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte zu beenden wünscht? Wie steht es mit dem Recht auf ein selbstbestimmtes Ende seines Lebens? Wem gehört das Leben? Dem Gesetzgeber? Der sollte wohl nur das regeln, was im allgemeinen Interesse ist. Ist ein selbstbestimmter Freitod eines Menschen, der nicht mehr Herr im eigenen Körper ist, etwas, was die Allgemeinheit tangiert? Oder ist Sterben nicht eine absolut persönliche und private Angelegenheit? Wie kann sich der Gesetzgeber erdreisten, etwas, was weder die Allgemeinheit angeht noch irgendwie betrifft, zu regeln und Menschen, die auf jede erdenkliche Hilfe angewiesen sind, derart zu bevormunden und zu gängeln und zu einem Dasein zu verurteilen, das sie nicht verdient haben und nicht mehr wollen.
Das Gericht verweigert einem Behinderten die Unterstützung. …
Das Recht auf ein selbstbestimmtes Ende zu verweigern, bedeutet, jemanden zu betrafen, der doch mit dem Leid bereits mehr als genug bestraft ist. Ich empfinde ein solches Leben als Strafe, wenn man es weiterleben muß.
Wie könnte man sich arrangieren mit den verständlichen Wünschen auf Sterbehilfe?
Respekt ist wohl die notwendige Voraussetzung, wenn man an dieser Gesetzgebung etwas ändern will, Respekt vor dem Wunsch des einzelnen, das Ende seines Schauspiels auf Erden selber zu bestimmen. Es wissen leider nur zu wenige, dass sie den Körper einfach so verlassen können, also müssen wir immer noch den Körper zerstören, um die Seite zu wechseln.
Man könnte vielleicht Gremien einrichten, die darüber befinden, ob der Sterbewillige wirklich seinen Tod wünscht oder ob man ihm irgendeine Art von Hilfe anbieten könnte, an die er selber bisher nicht gedacht hat. Vielleicht bleibt auch zu prüfen, ob der Mensch wirklich weiß, was er da zu tun gedenkt oder ob es ein unbewusster Hilferuf ist. Dann wäre noch zu prüfen, ob der Todeswunsch unter dem Einfluss anderer Personen entstanden sein könnte. Wenn aber klar ist, dass all das nicht in Frage kommt, dann sollte es für jeden Menschen, ob gesund oder krank, der den Wunsch zu sterben hat, die Möglichkeit geben, dies auch mit den günstigsten Mitteln zu erreichen, d. h. Medikamente, die einen raschen und schmerzlosen Tod garantieren. Auch eine Selbsttötung kann – wie zuletzt im Film – mit einer fröhlichen Feier enden. Jeder Tod sollte würdig stattfinden, menschenwürdig. Einen Kranken bis zum körperlichen Verfall gegen seinen Willen mit allen Mitteln am Leben zu erhalten, ist krank, und zwar von denjenigen, die sich vor dem Tod fürchten und diese Furcht verdrängen und deshalb andere Menschen zu einem unwürdigen Dasein verdammen, statt den Tod als einen Abschluss des Lebens zu feiern!
Lied am Ende des Films
Ein bisschen ist es süß
Ein wenig ist es scharf
Dieses Leben,
diese hundert Gramm Leben
Verwendet mit Bedacht
Ein bisschen ist es süß
Ein wenig ist es scharf
Leben ist gut
Leben ist wundervoll, yeah
Leben ist ein Spiel,
Leben ist gut
Leben ist wundervoll, yeah
Leben ist Schmerz
…
Aufrichtig ist es
Arglistig ist es
Um zu weinen, ist es zu klein
Freude und Glück mit einem Faden
Näht es
Wie ein Schneider ist es
Dieses Leben, diese hundert Gramm


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